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Presse > Archiv > 55. Landesschützentag 2012 in Crailsheim

Landesschützentag 2012 Crailsheim.

Zum diesjährigen Landesschützentag hatte der Württembergische Schützenverband nach Crailsheim in die Großsporthalle eingeladen. Dort präsentierte sich die württembergische Schützenfamilie unter ihrer Chefin Hannelore Lange selbstbewusst, kämpferisch, zukunftsorientiert und für alles Neue offen. Dafür stand auch die Vizepräsidentin des Deutschen Schützenbundes Susanne Kiermayer, die ehemalige Topschützin, das personifizierte Inbild eines Verbandes, der nun bereit ist zerkrustete Traditionen aufzubrechen, ohne allerdings dabei das Schützenwesen als herrliche olympische Sportart  und bewahrenswertes Brauchtum verändern zu wollen.     

Selbst der Wettergott schien am letzten Samstag ein Schütze zu sein, denn während er landauf und landab immer wieder seine nassen Schleusen öffnete, bescherte er den Schützen während des Umzuges von der Worthingtonstraße bis zur Großsporthalle erwärmende Sonnenstrahlen.      

Organisatorisch betreut wurde die Veranstaltung von den in der Stadt beheimateten Schützenvereinen, Crailsheimer Sportschützen e.V., Schützenverein Crailsheim - Jagstheim e.V., Schützenabteilung SV Westgartshausen e.V., Schützenabteilung TSV Goldbach e.V. und  Sportschützen des TSV Roßfeld, unter der Federführung von Oberschützenmeister Gerhard Feuchter.

Am Freitagabend nach der Landesausschusssitzung empfing Crailsheims Oberbürgermeister Rudolf Michl die Verantwortlichen des Landesverbandes, ehe man sich zum gemütlichen Beisammensein im Domizil der Crailsheimer Sportschützen traf, das tags darauf auch Austragungsort des Landeskönigsschießens war. Ein beindruckendes und farbenfrohes Schauspiel dann der vielhundert Schützinnnen und Schützen starke Umzug, die feierliche Übergabe des Landesbanners an den diesjährigen Ausrichter des Landesschützentages, sowie der traditionelle Fahneneinmarsch, ein immer wieder beeindruckendes und emotionales Spektakel, in der Großsporthalle unter den Klängen der Stadtkapelle Crailsheim, welche die Feierstunde musikalisch umrahmte.

Zur Feierstunde waren in der voll besetzten Großsporthalle zahlreiche Ehrengäste aus Sport, Politik und Wirtschaft anwesend. Nachdem der BOSM des gastgebenden Bezirks Hohenlohe, Jürgen Richter, die Anwesenden Willkommen geheißen hatte, begrüßte stellvertretend für alle Landesoberschützenmeisterin Hannelore Lange den Hausherrn und Gastgeber Rudolf Michl, Oberbürgermeister des Stadt Crailsheim, die Vertreterin des Landkreises Schwäbisch Hall, Oberregierungsrätin Sylvia Delmotte, die Vizepräsidentin des Deutschen Schützenbundes, Susanne Kiermayer, sowie die Vertreter der Landesverbände, für die Herbert Stattnik, der Präsident des Oberpfälzer Schützenbundes, die Grußworte überbrachte.

OB Rudolf Michl gab seiner Freude Ausdruck, dass der Höhepunkt der Schützen im Lande heuer in der Großen Kreisstadt Crailsheim stattfinde. Und irgenwie habe man dies auch Napoleon zu verdanken, der damals durch seine ganz spezielle Art der Gebietsreform die Stadt Crailsheim dem Lande Württemberg einverleibte. Eine überregionale Veranstaltung wie diese sei naturgemäß mit einem hohen organisatorischen Aufwand verbunden und stelle besondere Herausforderungen an den Ausrichter. Er danke deshalb allen Helferinnen und Helfern der fünf Crailsheimer Schützenvereine für ihr außergewöhnliches Engagement, ohne das die Ausrichtung des Landesschützentages in diesem würdigen Rahmen nicht möglich gewesen wäre.

Sylvia Delmotte betonte in ihren Grußworten, dass der Schießsport in besonderer Weise Sorgfalt und Verantwortungsbewusstsein verlangt. Der Schießsport stehe nicht nur für Sport, sondern auch für die Bewahrung von Traditionen, Brauchtumspflege und Heimatverbundenheit. In diesem Sinne leisteten die Schützenvereine eine wertvolle gesellschaftliche Aufgabe und stehen für ehrenamtliches Engagement und aktives Vereinsleben.

Mit der Kampagne „Ziel im Visier - Zukunft Schützenverein“, am Tag der Schützenvereine Anfang Oktober, so die Vizepräsidentin des Deutschen Schützenbundes, Susanne Kiermayer, habe sich der Deutsche Schützenbund ein großes und wichtiges Ziel gesetzt. Man wolle mit  dieser bundesweiten Aktion die rückläufigen Mitgliederzahlen stoppen und wieder mehr Menschen für den Schieß- und Bogensport begeistern. Dafür lege man sich mächtig ins Zeug. Mit viel Elan, ehrgeizigen Zielen und einen einzigartigen Sympathieträger, dem legendären „Trimmy“, bekannt aus den 70er Jahren, starte man die Aktion. Sie soll zeigen, dass der Schießsport eine wunderschöne und vielseitige Freizeitbeschäftigung ist, die von Jung und Alt betrieben werden kann. Man wolle für den Schießsport werben und deutlich machen, dass er zu Unrecht von einschlägiger Seite immer wieder stigmatisiert wird. Unter fachgerechter Anleitung und unter Einhaltung der gesetzlichen und sportlichen Regeln ist Schießsport nicht gefährlich und schon lange nicht bedrohlich, so die Vizepräsidentin. Sie forderte die Anwesenden auf, für die Kampagne zu werben, auf dass alle Vereine unter dem Dach des DSB im Oktober dann Flagge zeigen für ihren Sport.

Klare und deutliche Worte, die Situation des Schützenwesens betreffend, kennzeichnete die Rede von Landesoberschützenmeisterin Hannelore Lange, die immer wieder unterbrochen wurde vom spontanen Beifall der Anwesenden.

„Wenn wir uns einig sind, können wir alles erreichen“ so Hannelore Lange einleitend. Die Wege zu dieser Einheit seien bisweilen verschlungen, steinig und manchmal durch scheinbar überdimensionale Hindernisse versperrt. Wenn man allerdings ganz genau hinsehe, sei diese Einigkeit in vielen Bereichen oft auf einem ganz einfachen Weg zu erreichen, u.a. „wenn wir uns offen zeigen für Veränderungen“. Es müsse nicht alles in alle Ewigkeit so gemacht werden, weil es schon viel Jahre funktioniert habe. „Wir können das Bewährte mit dem Neuen verbinden“. Es sei einfach ein Gebot der Zeit, die Angebote in den Vereinen zu überdenken um den neuen Anforderungen und gesellschaftlichen Veränderungen Rechnung zu tragen. Veränderungen werde es auch im Leistungssport geben müssen. Hier sei es ebenso ein Gebot der Zeit, eine gemeinsame Struktur unter Beteiligung aller drei Landesverbände innerhalb von Baden-Württemberg zu entwickeln. Die gemeinsame Arbeitsgruppe der drei Verbände habe bereits neue Konzepte erarbeitet. In den Verhandlungen auf Augenhöhe dreier gleichberechtigter Partner seien Zugeständnisse im Sinne eines übergeordneten Ziels notwendig, nur so werde es möglich sein sportliche Höchstleitungen und die Ausschöpfung der Fördergelder zu optimieren. Sehr ausführlich ging Hannelore Lange auf die Themen Politik, Waffenrecht, Koalitionsvereinbarung und Interessenvertretungen ein. Denn seit dem März 2009 und dem Regierungswechsel in Baden-Württemberg, sei es mit erheblichen Erschwernissen verbunden, den Schießsort positiv darzustellen. Scharf attackierte die Landesoberschützenmeisterin den Koalitionsvertrag der neuen Regierung. Denn mit dem darin verankerten generellen Verbot von großkalibrigen Faustfeuerwaffen, trenne man einzelne Disziplinen aus der Sportordnung heraus und stelle damit das Gefüge, die Sportordnung und die Funktion der Vereine und damit des ganzen Sportbereichs „Schießsport“ in Frage. Der durch diese Maßnahmen den Bürgern vorgegauckelte Sicherheitsgewinn, sei in keinster Weise belegbar.

O-Ton Lange: „Nach wie vor gilt für den DSB und den Landesverband, dass wir zu allen Disziplinen im Rahmen der Sportordnug und der Liste B unseres Verbandes stehen. Daran zu zweifeln ist einfach fatal und hätte zur Folge, dass wir uns in zwei Lager spalten lassen und den Anfechtungen, denen wir mit Sicherheit auch in den nächsten Jahren ausgesetzt sein werden, nicht mehr standhalten können“. Schon bei bei geringsten Anlässen - mittlerweile auch bei Verbrechen im Ausland – werde von bestimmten Seiten immer wieder versucht die Sportschützen unter Generalverdacht zu stellen. Bei Grußworten werde dies wohl verneint, doch die Realität sehe anders aus. Dies sei für die Sportschützen, die lediglich ihrem Sport ob als Freizeit- oder Leistugsport nachgehen, verletzend und diskriminierend.  Es werde noch viele Diskussionen um den Sportwaffenbesitz und den Schießsport geben, so LOSM Hannelore Lange abschließend, wie es letztlich ausgehe liege teils auch in den eigenen Händen.  Die Schützen müssten selbst einen Beitrag dazu leisten, damit der Schießsport

wieder den Stellenwert bekommt, den er sich seit Jahrhunderten aufgebaut hat. Und damit komme sie wieder zu ihrem Grundsatz zurück: „Wenn wir einig sind, können wir alles erreichen“

Nach den Ehrungen, der Proklamation des Landesschützenkönigs und dem Hinweis, dass man sich im kommenden Jahr in Schwäbisch Gmünd treffe, schloss der diesjährige Landesschützentag mit der Deutschen Nationalhymne.

Delegiertenversammlung:

Die Delegiertenversammlung war im Nun abgehandelt, da keine besonderen Probleme anstanden. Die Berichte der Funktionsträger lagen in der 6. Ausgabe der Südwestdeutschen Schützenzeitung schriftlich vor. Eine Aussprache über die Berichte wurde nicht verlangt. Die Entlastung des gesamten Landesschützenmeisteramtes wurde von Landeskassenprüfer Peter Kraft beantragt und einstimmig erteilt.

Proklamation des Landeschützenkönigs und seiner beiden Ritter:

Spannung kam auf als Landessportleiter Rainer Hanisch, zusammen mit Hannelore Lange die Proklamation des neuen Landesschützenkönigs vornahm. Als dann Jürgen Singer (SV Göppingen/ Bez. Echaz-Neckar), der mit einem sensationellen 3,6 Teiler zum neuen Landeskönig ausgerufen wurde, wollte der Beifall keine Ende nehmen, die Würde der beiden Ritter schossen sich Alfred Schmid (Schwarzwald-Hohenzollern/ SV Laufen- Eyach) und Harald Kolb (Hohenlohe /Gründelhardt). Mit Marion Friedrich (Öhringen/Waldenburg) 40, 3 Teiler und Oskar Stiefel (Mergentheim/Niederstetten) 52,4 Teiler, konnten sich zwei weitere Hohenloher Teilnehmer   ebenfalls hervorragend platzieren.    

Der neue Landesschützenkönig Jürgen Singer, (2.v.rechts), zusammen mit LOSM Hannelore Lange, LSPL Rainer Hanisch und seinen beiden Rittern Alfred Schmid und Harald Kolb (von links),

 Ehrungen:

Die anschließenden Ehrungen wurden vom 2. LSM Bernd Hesse, Hannelore Lange und Susanne Kiermeyer vorgenommen, die unisono ausdrücklich die großen Verdienste der zu Ehrenden Schützinnen und Schützen um den Schießsport und um das Schützenwesen würdigten.

WSV- Verdienstehrenzeichen Silber: Ingo Reetzke (Syndikus) WSV- Verdienstehrenzeichen Gold: Christian Ragner (Landesjugendleiter)

WSV- Verdienstmedaille Silber: Hannelore Lange (Landesoberschützenmeisterin), Ralf Packmohr (Landesschatzmeister)

Ehrenkreuz in Bronze Deutscher Schützenbund: Leonhard Schunk (BOSM Oberschwaben, Eveline Knells (Landesdamemleiterin)

Goldene Ehrenmedaille des Deutschen Schützenbunde: Gerhard Feuchter (2.BSM Hohenlohe)

Ehrenzeichen des Hauses Württemberg: Dieter Hornung (Ehrenmitglied)

 

Bilder und Text: Habe (habe)